Geschichte

Auszug aus der Geschichte von Lackendorf

Lackendorf (ungarisch Lakfalva, kroatisch Lakindrof) blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die bis in die Ur- und Frühgeschichte reicht. Bereits in der jüngeren Steinzeit sowie in der Bronze- und Eisenzeit lebten Menschen im Gebiet des heutigen Ortes. Zahlreiche Funde wie Steinbeile, Krüge und Schmuckstücke aus Ton, Bronze und Eisen belegen eine frühe Besiedlung. Zur Römerzeit gehörte das Gebiet zur Provinz Pannonien. Gräberfunde und mächtige Fundamentreste am Kirchenberg weisen darauf hin, dass Lackendorf aufgrund seiner Lage an der bedeutenden Bernsteinstraße eine strategische Rolle spielte und vermutlich als Beobachtungs- und Sicherungspunkt diente.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1222 unter der Bezeichnung „maior Louku“. Die Urkunde stammt aus der Kanzlei des ungarischen Königs Andreas II. und befindet sich heute im Ungarischen Staatsarchiv in Budapest. Interessanterweise war Lackendorf damals die bedeutendere Siedlung der Region, während das heutige Lackenbach als „minor Louku“ bezeichnet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Schreibweise des Ortsnamens mehrfach, ehe sich ab 1553 die heutige Bezeichnung Lackendorf durchsetzte.

Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht eindeutig geklärt. Sprachforscher vermuten Bezüge zu einer früheren Lacke oder einem kleinen See in der Umgebung. Ebenso werden mittelhochdeutsche, ungarische, slawische oder sogar ältere römische Ursprünge diskutiert. Möglich ist daher, dass die Ursiedlung bereits im 11. Jahrhundert bestand.

Im Mittelalter gehörte Lackendorf verschiedenen Adelsherrschaften. Nach mehreren Besitzwechseln entwickelte sich die Siedlung unter dem Geschlecht der Athinai bis zum 15. Jahrhundert zu einem bedeutenden Dorf. Die Bewohner waren überwiegend Leibeigene und mussten umfangreiche Frondienste leisten. Landwirtschaft und Viehzucht bildeten die wichtigsten Erwerbsquellen.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen König Matthias Corvinus und Kaiser Friedrich III. sowie die Türkenzüge des Jahres 1532 führten zu schweren Verwüstungen und einem starken Bevölkerungsrückgang. In der Folge siedelte Hans von Weißpriach kroatische Familien aus dem vom Osmanischen Reich bedrohten Gebiet des heutigen Kosovo an. Diese Ansiedlung prägte die Bevölkerungsstruktur des Ortes nachhaltig. Viele bis heute bekannte Familiennamen gehen auf diese Zeit zurück.

Ab dem frühen 17. Jahrhundert gelangte die Herrschaft durch Heirat in den Besitz der Familie Esterházy. Unter ihrer Herrschaft blieb die Abhängigkeit der Bauern über Jahrhunderte bestehen. Frondienste, Abgaben und wirtschaftliche Belastungen führten immer wieder zu Unzufriedenheit. Erst die Revolution von 1848 brachte den Bauern persönliche Freiheit und bessere wirtschaftliche Perspektiven, wenngleich manche Verpflichtungen noch längere Zeit bestehen blieben.

Bis 1921 gehörte Lackendorf wie das gesamte Burgenland zum Königreich Ungarn. Im Zuge der Magyarisierung musste ab 1898 offiziell der ungarische Ortsname „Lakfalva“ verwendet werden. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Deutsch-Westungarn durch die Verträge von Saint-Germain und Trianon Österreich zugesprochen. Seit 1921 gehört Lackendorf zum neu gegründeten Bundesland Burgenland.

Verwaltungsmäßig verlor Lackendorf 1971 seine Eigenständigkeit und wurde gemeinsam mit Raiding und Unterfrauenhaid Teil der Marktgemeinde Raiding-Unterfrauenhaid. Nach 19 Jahren erhielt der Ort jedoch seine Selbstständigkeit zurück und ist seit dem 1. Jänner 1990 wieder eine eigenständige Gemeinde. Damit verbindet Lackendorf eine jahrtausendealte Geschichte mit einer lebendigen lokalen Identität, die bis heute erhalten geblieben ist.

Das Burgenland im Verband des Siedlungsgebietes Westungarns: